Zu einem Erinnerungsfoto stellte sich die Steuerungsgruppe mit den Osterkerzen der fünf Kirchorte in Ernsthausen, Frankenberg, Burgwald, Vöhl und Gemünden auf, flankiert von Domkapitular Thomas Renze (links) und Pfarrer Ingo Heinrich (rechts).
Von Karl-Hermann Völker
Frankenberg – 18.01.2026 – Neben dem Altar leuchteten am Sonntag die Osterkerzen von fünf Kirchorten aus den vier katholischen Kirchengemeinden Vöhl, Gemünden, Frankenberg und Burgwald – symbolisch vereint nun beim offiziellen Gründungsgottesdienst der neuen katholischen Gemeinde „Zum Guten Hirten“ in Frankenberg. Seit dem 1. Januar 2026 hat die katholische Kirchengemeinde Frankenberg diese Nachbargemeinden aufgenommen. Domkapitular Thomas Renze überbrachte in dem feierlichen Hochamt, das er gemeinsam mit Pfarrer Ingo Heinrich leitete, die Grüße und Segenswünsche des Bistums Fulda. „Nach allen schwerwiegenden Entscheidungen, die hinter dieser Gemeinde liegen, vertrauen wir nun auf den Segen Gottes“, sagte der Geistliche.
Wegen eines Heizungsausfalls in der Kirche Mariae Himmelfahrt am Vorabend musste die zentrale Heilige Messe mit anschließendem Empfang kurzfristig in das benachbarte Pfarrheim verlegt werden. Aber im Saal fand die große Zahl der Gläubigen, erstmals aus dem gesamten Gemeindegebiet vereint, genügend Platz.
Der katholische Kirchenchor unter Leitung von Gertrud Will sang im Wechsel mit der Gemeinde, am Klavier wurde sie von Andreas Busching begleitet.
Insgesamt gehören nun rund 3.900 katholische Christen zwischen Vöhl und Burgwald der neuen Gemeinde „Zum Guten Hirten“ in Frankenberg an. Die gottesdienstlichen Angebote in den bisherigen Kirchengemeinden bleiben im gewohnten Umfang erhalten (unsere Zeitung berichtete). Sowohl im Gottesdienst wie auch beim anschließenden Empfang wurde immer wieder geäußert, dass dieser Fusionsprozess der vier Gemeinden bis hin zur Namensfindung für die neue Großgemeinde ohne Konflikte verlaufen sei – aus drei favorisierten Vorschlägen war der Name „Zun Guten Hirten“ hervorgegangen.
Er wurde nach Abschieden von alten Strukturen als Aufbruch in die Zukunft gedeutet. „Herr Jesus Christus, du bist der Gute Hirte unserer neuen Pfarrei, wir sind dein Volk, unterwegs zu einer neuen Zeit“, betete Pfarrer Ingo Heinrich. Er bat um den Geist Gottes, „damit wir eine neue Gemeinschaft und Heimat für Suchende werden“.
Angesichts zurückgehender Zahlen von Mitgliedern in den Kirchen ermutigte Domkapitular Thomas Renze die katholischen Christen in Frankenberg, den Blick nicht auf diese Entwicklung zu beschränken, sondern stattdessen mit Zuversicht und Hoffnung weiter am Auftrag der Kirche mitzuarbeiten, „sie zu stärken und unseren Glauben mit einer neuen Sendung in die Welt hinein zu tragen, um sie zu verändern“. Am Beispiel des Heiligen Martin, der seinen Mantel teilte, könne man sehen, „wie wirksam sich auch kleine, aber überzeugte Taten auf diese Welt auswirken können“, sagte Renze.
Der Fuldaer Bistums-Vertreter dankte allen, die in der Steuerungsgruppe zur Neustrukturierung der vier Gemeinden konstruktiv mitgearbeitet hatten, insbesondere Pfarrer Ingo Heinrich, der dadurch „in den letzten Monaten seiner Amtszeit in Frankenberg manche Last auf seiner Schulter getragen hat“. Der Seelsorgedienst von Ingo Heinrich in Frankenberg endet im Februar, am 1. März soll als Nachfolger Pfarrer Dr. Ifeanyi Emejulu eingeführt werden.
Herzliche Segenswünsche der evangelischen Kirchengemeinde Frankenberg überbrachte Pfarrer Christoph Holland-Letz, Anerkennung auch zum Gemeindenamen „von unserem gemeinsamen ‚guten Hirten‘, der für uns evangelische Christen eine ökumenische Basis darstellt“. Mit vielen gemeinsamen Gottesdiensten und Veranstaltungen habe sich in Frankenberg eine große Gemeinschaft entwickelt. „Dank für diese ökumenische Nähe der vergangenen Jahre!“
Mit dem gemeinsamen Choral „Großer Gott, wir loben dich“ klang der Festgottesdienst aus, anschließend war bei einem Empfang Zeit für Gespräche. Vertreter der Kirchorte nahmen die symbolisch vereinten Osterkerzen wieder mit in ihre Filialkirchen, deren historisch gewachsene Namen unverändert bleiben: „St. Antonius und St. Elisabeth“ in Vöhl, „St. Anna“ in Gemünden, „Christkönig“ in Ernsthausen, „St. Elisabeth“ in Burgwald und „Mariä Himmelfahrt“ in Frankenberg.
Karl-Hermann Völker
Bilder von Karl-Hermann Völker
Von Karl-Hermann Völker
Wochenlang hatten sich die katholischen Christen aus Burgwald, Ernsthausen, Frankenberg, Gemünden, Haina und Vöhl auf ihren ersten gemeinsamen Gottesdienst als neue Gemeinde „Zum Guten Hirten“ gefreut. Ein besonders feierliches Hochamt in der neuen Mutterkirche Mariä Himmelfahrt sollte es werden.
Dann die Hiobsbotschaft am Samstagabend: Das Kirchengebäude ist nicht zu benutzen. Der Geruch von Rauch und Ruß empfing die Helfergruppe, die den noch eiskalten Raum ihres Gotteshauses für die Feier am nächsten Tag vorbereiten wollten. Im Heizungskeller hatte sich ein technischer Defekt ungeklärter Ursache ereignet, alles war rußgeschwärzt. Der herbeigeeilte Installateur konnte hier nicht mehr helfen, jedenfalls nicht bis zum Sonntagmorgen.
So musste am Samstagabend spontan das viel kleinere Pfarrheim oberhalb der Kirche mit entsprechender Bestuhlung und Büffet für den anschließenden Empfang aufgerüstet werden. Der Gottesdienst gelang dennoch mit großer Feierlichkeit, vielleicht gerade, weil die räumliche Atmosphäre auf alle so familiär wirkte.
Eine Panne gleich beim Neuanfang? Der Fuldaer Domkapitular Thomas Renze sah es im Gespräch genau umgekehrt: „Woanders hätte man unter diesen Umständen alles kurzerhand ausfallen lassen. Die Gemeinde bewies, dass sie sich einer veränderten Situation anzupassen versteht. Sie verfügt über Menschen, die mit anpacken, wenn sie ihren Glauben feiern wollen. Und das ist ein gutes Zeichen!“
© Pastoralverbund St. Georg, Lahn-Eder